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Die Westend Gospel Singers kehrten mit vielen wertvollen Erfahrungen beladen von ihrer Chorfahrt durch Wisconsin USA am 20. Oktober 2006 nach Eberswalde zurück. Lange wird es dauern, bis wir so richtig erfassen und einordnen können, was uns in diesen 14 Tagen in der anderen Welt geschehen ist. Dabei weckten die ersten Erfahrungen in Wisconsin und Minnesota durchaus auch viele heimatliche Gefühle, denn die Landschaft dort, ist wie unsere durch Eiszeiten geprägt, mit vielen Wäldern und Seen und Hügeln und Feldern, die Menschen haben in der Mehrheit deutschstämmige oder schweizerische Vorfahren. Dennoch waren wir in der neuen Welt. Es traten uns nicht nur die Schaufenster in den Einkaufs-Malls schrill bunt entgegen, auch Menschen begegneten uns in allen Hautfarben, die der Globus zu bieten hat. Darin unterschieden sich wenigstens die beiden Großstädte Saint Paul/Minneapolis und Milwaukee von unserer Heimat. Wer wie wir aus der Nähe von Biesenthal kommt, den zieht es natürlich in Milwaukee zum Stammsitz der Harley-Davidson Motor Company um dort auf den heißen Stühlen Platz zu nehmen. Auch dazu hatten wir Gelegenheit. Selbst auf eine Begegnung mit den Ho-Chunk Indianern mussten wir nicht verzichten. Das sind in Erinnerung bleibende Momente einer tollen Reise mit großen Begegnungen.
Eigentlich waren wir aber zum Singen gekommen und auch dazu waren wir ja von unserer Partnerkirche, der „Uinited Church of Christ“ in Wisconsin auf diese Tour eingeladen worden. In 18 Monaten Organisationsarbeit stellte Pfarrer Fritz West aus Fountain City das Reiseprogramm zusammen. 7 Konzerte und drei Gottesdienste standen auf dem Programm, in denen wir oft gemeinsam mit den heimischen Kirchenchören auf der Bühne standen vor jeweils 100 bis 300 Gästen. Zum Höhepunkt wurde der gemeinsame Auftritt mit den Twin Cities Community Gospel Choir nach einem gemeinsamen Workshop mit deren höchst professionellen Chorleiter Robert Robinson in Saint Paul, einem echten afro-amerikanischen Gospel-Orginal. Oder der Auftritt in der schwarzen Gemeinde in der Gnaden-Kirche in Milwaukee, die voller Begeisterung fast jeden Titel nicht nur mitklatschte, sondern auch mitsang und mit den spontane Rufen „Yes, Yes, Yes“ oder „Amen“ begleiteten. Und dann war da noch das letzte Konzert in der weißen Gemeinde von Waukesha mit der wir gemeinsam die Gospelmusik begeistert feierten und die Konzertreihe enthusiastisch abschlossen. „Lange hatte wir schon nicht mehr so viel Freude und Bewegung bei einem Konzert“, und „A very good Job“ waren die Kommentare an diesem Abend.
Auch Workshops im afrikanischen Trommeln und Tanzen, oder in der „Weltmusik“ des von Costa-Ricanern abstammenden Amerikaners Abe Careres mit Latino-Feeling und einer die ganze Welt umspannenden musikalischen Friedensbotschaft gaben viele Anregungen. Viele Freunde haben wir kennen gelernt unter Gastgebern und Organisatoren und wohl noch hunderte Briefe und E-Mails werden in der kommenden Zeit den großen Teich passieren. All das sind Anzeichen dafür, dass das Wisconsin-Fieber unter den Chorsängerinnen und Chorsängern der Westend-Gospel-Singers längst noch nicht zur Ruhe kommt. Am Montag, den 20. November um 19 Uhr luden wir zu einem öffentlichen Amerika-Rückblick in das Gemeindehaus Kirchstr. 6 an der Maria-Magdalenen-Kirche ein. Da gab es dann mehr Berichte, Fotos und Filmdokumente von unserer großen Reise.
Es erreichte uns nach der Heimkehr ein Brief von Pfr. Fritz West aus Fountain City (Wisconsin):
Liebe Freunde in Eberswalde,
Der Besuch der Westend Gospel Singers in den Bundesstaaten Minnesota und Wisconsin in Amerika brachte eine große Freude. Alle Leute, die den Chor kennen gelernt haben, waren begeistert über die Begegnung: die Gastgeber, die den Mitgliedern des Chores Unterkunft gegeben haben, das Publikum, das sich an den Konzerten des Chores erfreut haben, die amerikanischen Chöre, die mit dem Gospelchor gemeinsam gesungen haben, die Kirchengemeinden die dem Chor Gastfreundschaft gegeben haben, die Workshopleiter die mit dem Chor gearbeitet haben. Für alle war diese Erfahrung unvergesslich. Viele Leute sprechen noch angeregt darüber.
Uns in Amerika war diese Chorfahrt ein großes Geschenk, insbesondere ihre Botschaft der Versöhnung. In Amerika scheuen sich Weiße, die Musik der Schwarzen zu singen. Die Begeisterung des Chores für Gospelmusik hat über diese Kluft eine Brücke gebaut. In Amerika ist das Verhältnis zwischen Weißen und Roten misstrauisch, von die Erinnerungen an Krieg, Aussiedlung, und Tragödie bedingt. Das Interesse und Mitleid des Chores an den Ho-Chunk-Stamm in Wisconsin vertreibt dieses Misstrauen.
Am wichtigsten fordert der Besuch des Gospelchores unsere Feindbilder heraus. Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das einen Krieg führt. Wie jedes solche Volk sehen wir andere Völker durch Feindbilder. Nicht nur unseren Feind, sondern auch -- tragisch -- alle Leute. Uns sind Fremde verdächtig.
Dann kam der Gospelchor aus Eberswalde, der zeigt uns dass Fremd auch ein Freund sein könnte. So haben wir sie am Tisch, mit Gesprächen und während der Ausflüge erlebt. Das war ein wunderbares Geschenk. Und für das muss ich --müssen wir -- euch von Herzen danken.
Als ich in 1983 und 1984 Kirchengemeinden in Ostberlin und Schmalkalden besucht habe, sagten mir die Leute, "Wir danken dir dass du zu uns gekommen bist." Jetzt möchte ich dasselbe an euch, an die Stadtkirchengemeinde Eberswalde -- insbesondere ihrem Gospelchor -- umgekehrt aussprechen, "Ich danke euch, dass ihr uns besucht habt."
Mit christlichen Grüßen,
Euer Fritz West (Pfarrer in Fountain City, Wisconsin, USA
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