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Mein sechster Tag in Kairo

Donnerstag den 13 Oktober,

heute war ein ziemlich erfolgreicher und anstrengender Tag.  Ich bin morgens wieder zur Uni gefahren. Dieses Mal allerdings mit der Metro 5 Stationen bis zur "Sayyeda Zainab" Station wo ich dann 10 Minuten warten konnte, bis eine leere Taxi kam.  Am Bahnhof der Metro war ungewöhnlich alles im Verhältnis zum Rest von Kairo sehr sauber. Auffallend waren die zwei Wagons in der Mitte, mit dem Schild "Ladies". Hier können also Frauen unter sich sein, erklärte mir eine Junge Dame, die allerdings nicht bei den Frauenabteilen stand.  Sie sagte, dass Frauen die von Männern Angst haben in diesen Wagen sitzen, der Rest der Wagen ist für Männer und Frauen.  Im Wagen, fiel sofort auf, dass tatsächlich ebenso viele Männer wie Frauen saßen. Nur eine trug kein Kopftuch. Alle um mich herum dachten ich sei ein Tourist, was wohl meinem äußerlichen Erscheinen und der Videokamera um mein Hals zu verdanken waren. Allerdings habe ich im Wagen kein Film gemacht, da insbesondere die Frauen dies nicht mögen. An der Station habe ich es einfach mal gewagt, ohne gezielt auf Frauen die Kamera zu richten.

Im Wagon waren die ersten Stühle für alte Menschen, Behinderte und schwangere Frauen besetzt.  Auch viel sofort auf, dass als ich und die anderen die da standen in den Wagen gingen, dass sofort einige Menschen aufstanden, um den älteren Menschen Platz zu machen.  Wegen meines Aussehens, fragte man mich ob ich mich hinsetzen will. Als ich in arabisch mich freundlich bedankte und ablehnte war das große Staunen.

In der Station "Sayyeda Zeinab" angekommen waren außerhalb der Station einige Stände mit Plastikschuhen und Fische im Angebot. Obwohl ich fragte ob ich fotografieren könnte, war es nicht erwünscht.  Ein junger Mann, den ich im Wagen fragte wo ich am besten aussteigen soll und der dann auch in dieser Station ausstieg erklärte mir, dass sie Angst von der Ortsverwaltung haben, weil diese manchmal kommen und die Händler verjagen.  Er bestand auch darauf, dass er mir hilft eine Taxi zu finden, wobei diese auch stehen bleiben, wenn ich sie anhalte.

Also fuhr ich mit einer Taxi zur Uni wo ich Dr. Ali traf. Er war mein Prof. für griechisch-römische Kunst und Archäologie an der Uni. Er ist auch der Ansprechpartner für Umweltfächer. Da ich versuche unsere Fachhochschule in Eberswalde mit dieser zu verknüpfen war er also mein Ziel.  Er schien sehr interessiert.  Er erinnerte sich auch sofort an mich und fragte lachend ob ich mich noch an Taba (Sinai) erinnere. Ich wusste nicht mehr genau was er meinte, so erinnerte er mich, dass ich bei einer Exkursion dorthin von der Staatsicherheit angehalten worden bin, weil man mich als israelischen Agenten verwechselte. Ich hatte das schon längst verdrängt.  Doch dann musste Dr. Ali nach Oberägypten, einer seiner Verwandten wird bestattet und er wartete nur auf mich.

Zusammen mit Prof. Mey, fuhr ich nach Maadi, wo sie meine Schwester traf und mit ihr ein Projekt zur Umweltschulung in der Uni besprochen hat. Moshira ist die Spezialistin für Umweltangelegenheiten in Ägypten und es wäre schade diese Verknüpfung nicht zu machen, bevor ich wieder nach Ägypten reise.

Am Nachmittag war ich dann völlig KO. Ich glaube ich habe nun mittlerweile meine physische und nervliche Belastbarkeit erreicht, ich brauche eine Pause. Morgen will ich noch zum koptischen Viertel wo die hängende Kirche "steht" und die Messe erleben, da es in meinen Augen eine Pflicht ist, insbesondere nach den schrecklichen Ereignissen.  Ferner will ich da jemand für unser Austauschprojekt im Gospelchor ansprechen, wobei ich mir noch nicht sicher bin ob ich das angesichts der letzten Tragödie machen werde/soll/kann. Danach will ich zum Tahrirplatz, das Freitagsgebet erleben und in einem Marsch für die Einheit Ägyptens teilnehmen.  Wenn ich dann noch Kraft habe will ich nach Khan Kallili, der älteste Markt in Ägypten (10 Jh.).

Für heute mache ich mit dem Blog Schluss, da ich fürchterlich müde bin. Bilder lade ich dann erst morgen hoch.

 

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